Howaldtswerke

Familie Howaldt


So steht es auf der Website der Familie Howaldt geschrieben:


Liebe Familie Howaldt und alle, die ihr angehören.

Als am 5. Okt. 1938 der erste große Familientag in Kiel gefeiert wurde, stand er unter dem Motto "100 Jahre Howaldt" und bedeutete zugleich das Ende von Howaldtswerke in Familientradition, wenn man Heinrich Diederichsen mit einbezieht. Im April 1937 hatte im neugewählten Vorstand auch das Oberkommando der Marine Platz genommen. Kiel, schon 1865 durch Kabinettsorder des preußischen Königs Marinestation der Ostsee, entwickelte sich in diesen Jahren erneut zur Kriegsmarinestadt und Howaldtswerke in Fusion mit den staatlichen Deutschen Werken bereitete sich auf Marineaufgaben vor. Ein Jahr später begann der 2. Weltkrieg.

Schauen wir zurück: August Ferdinand Howaldt, Mitte der 30er Jahre des 19. Jh. von Braunschweig über Hamburg nach Kiel gekommen, von Johann Schweffel freundlich empfangen und schon bald zum Maschinenmeister seines Dampfschiffes "Löven" ernannt, gründete 1817 eine kleine Maschinenfabrik und heiratete im gleichen Jahr Emma Diederichsen. Am 1. Oktober 1838 gründete dann Johann Schweffel, der auf der Rosenwiese eine kleine Schiffswerft betrieb, mit August Ferdinand Howaldt dort auf gemeinsame Rechnung die Firma "Schweffel & Howaldt". Sie entwickelten am Kleinen Kiel eine Maschinenbauanstalt und Eisengießerei. Damit verband sich August Ferdinand Howaldt mit ansässigen Familien, zwei angesehenen Persönlichkeiten, dem Reeder und Handelskaufmann Johann Schweffel sen. und dem Schiffsbauer, Reeder und Kaufmann Andreas Ludwig Diederichsen, seinem Schwiegervater. Aus Anlass der Gründung von "Schweffel & Howaldt" treffen wir uns um den 1. Oktober nun schon zum sechsten Mal nach dem Krieg; ich denke, den Familien- und Zugehörigkeitssinn, in Freude und Bekenntnis zur Familie Howaldt zu vertiefen, auch bei all jenen, die den Namen Howaldt nicht mehr tragen und doch dazugehören.

Schweffel & Howaldt leisteten in den folgenden Jahren Pionierarbeit im Maschinenbau, besonders aber im Eisenschiffbau, als nach den Plänen Wilhelm Bauers 1850 das erste Unterseeboot der Welt entstand, das z.Zt. im Kieler Schifffahrtsmuseurn zu sehen ist und seine eigene Geschichte erzählt.
Im Jahr 1876 übergab August Ferdinand seinen Söhnen Georg, Bernhard und Hermann seinen Betrieb. Johann Schweffel war 1865 verstorben, sein Sohn, Johann Schweffel jun., schon 1854 unter besonderen Vereinbarungen an seine Stelle getreten. 1879 schied auch er aus. Die Firma "Schweffel & Howaldt" wurde als "Gebrüder Howaldt" weitergeführt.

Georg Howaldt hatte schon auf dem Ostufer der Förde in Ellerbek 1865 eine kleine Werft gegründet, musste aber bald der sich ausdehnenden Königlich/Kaiserlichen Werft weichen und übernahm vorübergehend die Leitung der Norddeutschen Schiffbau-Aktiengesellschaft, um dann 1876 auf freiem Feld in Dietrichsdorf eine Werft anzulegen und noch im gleichen Jahr in Betrieb zu nehmen.

Beide Unternehmen, die der Gebrüder Howaldt und die Werft Georg Howaldts arbeiteten eng zusammen in Ansehen und Erfolg über die Grenzen hinaus. In dieser Zeit der Entwicklung wurde 1884 die Metallgießerei nach den Plänen des Architekten Heinrich Moldenschardt gebaut. Sie ist heute ein beeindruckendes Zeugnis historischer Industriearchitektur und das älteste erhaltene Belegstück für die Werftindustrieentwicklung auf dem Ostufer der Kieler Förde. Ich komme noch darauf zurück.

Mit dem Fortschritt der Industrialisierung aber begannen auch Sorgen und Nöte, auf die ich nicht näher eingehen will. Das 25jährige Jubiläum der Maschinenfabrik wurde gefeiert, wie auch das 50jährige 1888. 1889 kam es zur Veränderung. Am 22. Juni wurde "Howaldtswerke" in das Handelsregister eingetragen. Georg und Hermann übernahmen als Vorstandsmitglieder die Leitung der neuen Gesellschaft und legten dabei beide Unternehmen, Gebrüder Howaldt Maschinenfabrik, Gießerei und Kesselschmiede und die Kieler Schiffswerft Georg Howaldt zusammen. Drei weitere Mitglieder bildeten mit ihnen den Aufsichtsrat, darunter Carl Diederichsen Hamburg. Procura wurde den bewährten Mitarbeitern Theodor Heesch (mit Emma Howaldt verheiratet) und Ernst Schwerdtfeger (Ehemann der jüngsten Schwester von Emma Howaldt geb. Diederichsen) erteilt. Bernhard Howaldt stieg aus dem Unternehmen aus, und viele kleinere und größere Unternehmungen begleiteten seinen Lebensweg. 1903 gründete er das erste Schwentine Elektrizitätswerk auf seinem Besitz Rastorfer Mühle, das 1916 an die Stadt Kiel verkauft wurde.

Howaldtswerke hatte gute und schwere, bittere Jahre vor sich. 1900 starb Hermann Howaldt, der bis zuletzt Direktor der Maschinenfabrik gewesen war. Georg Howaldt teilte sich mit seinem Sohn Georg bis zu seinem Tod 1909 die Leitung des Unternehmens. Kein leichter Weg begann für Georg jun., aber stets begleitet von einem Mann, der schon bei der Gründung von Howaldtswerke aus Danzig nach Kiel berufen wurde, der als Bürochef die Neuorganisation des Unternehmens in die Hand nahm, der in guten und schlechten Zeiten mit seinen Fähigkeiten, seiner Kraft und seiner Treue Howaldtswerke verbunden blieb, Friedrich Gottlieb Urlaub.

1910 stieg auch Georg Howaldt jun. aus. lm ersten Weltkrieg brachte die Marine Aufträge, dann aber begann eine wechselvolle Zeit. 1926 erwarb Dr. Heinrich Diederichsen das Aktienkapital der Sventine-Dockgesellschaft, einer Nebengründung aus dem Jahr 1884. Als damit der Gesamtverlust von Howaldtswerke nicht aufgefangen werden konnte, erwarb die Dockgesellschaft auch die Werft mit Zubehör, Grundbesitz und Häusern. Die Dietrichsdorfer Werft ging in Liquidation. Die neu organisierte Gesellschaft hieß nun "Howaldtswerke Aktiengesellschaft".

1928 und 1929 erwarb Diederichsen in Hamburg zunächst eine Schiffswerft und Maschinenfabrik von vorm. Jansen und Schmelinski und dazu Betriebseinrichtungen der Hamburger Vulkanwerft und begründete am 1.Jan.1930 Howaldtswerke AG Abt. Hamburg. Es folgten wieder bittere Jahre, bis 1937/38 wiederum die Kriegsmarine in Kiel die Werftbeschäftigung belebte. Am 1. April 1939 wurde der Hauptsitz der Howaldtswerke nach Hamburg verlegt und die Kieler Werft an die Marine verkauft.

Der 2. Weltkrieg hat mit den schweren Bombenangriffen Kiel und seine Industrieanlagen zu 80% zerstört. Nach Kriegsende begannen die Engländer mit der Demontage und Beschlagnahme, der sich Kiels Oberbürgermeister Koch, Bürgermeister Andreas Gayk und Adolph Westphal, als Treuhänder für die Werften eingesetzt, widersetzten. lm November 1946 setzte die Militärregierung die Reparationsansprüche aus. Eine neue Zukunft begann für HDW, "Howaldtswerke-Deutsche Werke".

1980 wurde das Stammwerk Dietrichsdorf geschlossen. Neue Werftanlagen in der Zwischenzeit in Kiel-Gaarden entstanden. Das alte Gelände erwarb das Land und lässt kontinuierlich den neuen Campus der Fachhochschule Kiel Fachbereich Technik dort entstehen. Erhalten blieb die alte Metallgießerei. Sie steht unter Denkmalschutz. Die in gelbem Backstein mit roten Zierbändern, Lisenen, Ziergesimsen und paarig zusammengefassten Rundbogenfenstern gestaltete, auf quadratischem Grundriss errichtete Gießerei ist heute ein freistehendes Gebäude mit einem Pyramidendach und herausragendem (derzeit verkürztem) Schornstein in der Mitte.

Zur Restaurierung und zukünftigen Nutzung des Objekts zitiere ich den Landeskonservator Dr. Michael Paarmann.

"Die denkmalpflegerische Zielstellung sieht zunächst eine bauliche Instandsetzung der historischen Außenhaut der Gießerei vor, wobei der Rückführung des Schornsteines auf seine ursprüngliche Höhe besonderes Gewicht zukommt. Weiterhin soll der Wiedereinbau der ausgelagerten technischen Originalausstattung erfolgen und zwar exakt in der zuletzt vorgefundenen und fotogratisch dokumentierten Situation. Damit soll ein Höchstmaß an Authentizität und Nachvollziehbarkeit der Arbeitsabläufe für die zukünftigen Besucher erreicht werden. Ziel soll sein, auch die technikgeschichtliche Entwicklung einer Gießerei-Produktion von den Anfängen bis zum Ende der gewerblichen Nutzung im Jahre 1980 zu thematisieren.

Wegen der Kontamination des Gebäudeinneren, die nur unter Preisgabe wichtiger Gebrauchs- und Altersspuren beseitigt werden könnte, und um den Gesamteindruck nicht durch neue Ausbauelemente zu beeinträchtigen, wird nur eine sehr eingeschränkte Begehbarkeit der Gießerei zu erreichen sein.

Es ist deshalb daran gedacht, die durch den Abbruch von Anbauten entstandenen Öffnungen großflächig zu verglasen, um einen umfassenden Einblick in das Gebäudeinnere zu ermöglichen. Um dem Betrachter ein Höchstmaß an Erlebnisqualität zu bieten, könnten der "Blick in die Geschichte" mit einem differenzierten, didaktisch aufbereiteten Beleuchtungskonzept verknüpft werden. Darüber hinaus könnten die Öffnungen auch als Projektionsflächen dienen, so dass, verbunden mit akustischen Wiedergaben, eine Fülle von Informationen über unterschiedliche Medien zu vermitteln wären, ggf. ständig abrufbar durch Münzeinwurf.

In den von außen zugänglichen Sandkellern sind fest installierte oder wechselnde Ausstellungen realisierbar, die sich mit den verschiedensten Themen der Stadtteilkultur, der Kieler Werftengeschichte und insbesondere auch mit der Familie Howaldt und ihrer familiären und unternehmerischen Entwicklung als bedeutende Schiffbaudynastie und Betreiber der Alten Metall-Gießerei auseinandersetzen könnte."

Ich bitte Euch, helft mit, dieses Industriedenkmal zu retten, nicht zuletzt, weil damit auch der Name Howaldt bewahrt wird, den August Ferdinand nach Kiel brachte und der von hier seinen Weg um die Welt nahm.

Oktober 2000
Anneliese Kunstreich

(Quelle: www.treffpunkt-howaldt.de)




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